Buchkritik – Das Breibuch

Von einer Freundin habe ich Bücher zum Thema Brei kochen ausgeliehen, unter anderem „Das Breibuch“ von Sabine Deutscher. Es handelt sich um die zehnte, überarbeitete Ausgabe aus dem Jahr 2008, erschienen im Rapunzel-Verlag. Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1982. Das Buch ist ein Taschenbuch mit Softcover und kostete 8€. Es ist in schwarz-weiß gedruckt und enthält keine Rezeptbilder.
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Die Autorin Sabine Deutscher ist Dreifach-Mutter und Heilpraktikerin und erklärt im Vorwort, dass sich die Ausgabe „auf dem neuesten Stand der Erkenntnis, was Ernährung und Gesundheit unserer Kinder angeht“, befindet. Auf der Internetseite steht, dass es der Autorin „wichtig war […], dass die Rezepte einfach sind und vor allem, dass das Ergebnis den Kindern schmeckt. Es wurde Wert gelegt auf eine vollwertige und rundum gesunde Zusammenstellung“.

Das Buch gliedert sich in kurz gehaltene Kapitel zum Stillen und zur selbst hergestellten Flaschennahrung aus „Getreideschleim“. Dann folgt ein Kapitel über Süßungsmittel für Babybrei, folgend eins über Flüssigkeit für die Breie und dann finden sich Rezepte für Breie und spätere Mahlzeiten. Auch Getränken wird ein Kapitel gewidmet. Weiterhin geht die Autorin auf Allergien ein.

Frau Deutscher hat einen eindeutigen Standpunkt hinsichtlich des Stillens.  Sie möchte es „allen Frauen ans Herz legen, so lange wie möglich zu stillen“. Aber wenn es denn mit dem Brei losgeht, dann soll es so biologisch wie möglich sein. Insgesamt enthält das Buch 36 Breirezepte für Mittags-, Obst- und Getreidebrei sowie ein paar Rezepte für Menüs ab dem zehnten Lebensmonat. Insgesamt eine gute Anregung. Ebenso das Kapitel über Tee. Hier werden Rezepturen der Kräuterkunde weitergegeben,  bzw. aufgeschrieben, welcher Arzneitee welche Symptome bekämpft. Hier sei der Klassiker bei Blähungen genannt: Fenchel-Anis. Im Kapitel über Allergien wird auf geeignete Zutaten und Austauschprodukte für Allergiker eingegangen.

Obwohl ich als Mutter natürlich auch nur das Beste für mein Kind möchte und damit auch für Bio und selber kochen bin, kann ich das Buch allenfalls als Anregung für die gut informierte Mutter sehen. Als uneingeschränkt empfehlenswert für unwissende Eltern sehe ich es nicht, teilweise ist es sogar komplett falsch, widerspricht sich selber und an einer Stelle ist es sogar lebensgefährlich!

Sabine Deutscher erklärt das Buch im Vorwort als aktuell hinsichtlich der Kenntnisse über Babyernährung. Nach gespannter Lektüre bin ich entsetzt!  Das Buch entspricht nicht dem aktuellen Wissensstand von 2015 und auch nicht dem von 2008. Frau Deutscher schreibt, man könne „etwa ab der 8. Woche […] anstatt der letzten Flasche abends noch etwas dünnflüssigen Brei geben […]“ (S. 22). Noch früher, nach Ansicht der Autorin bereits ab der 6. Woche, könne man „abends etwas geriebene Karotte, Apfel oder Banane“ (S. 15) geben. Demgegenüber erklärt die ausgebildete Ökotrophologin Edith Gätjen, die Dozentin für Säuglings- und Kinderernährung ist, in einem Artikel aus dem Focus, dass man „Beikost auf keinen Fall vor der 17. Woche einführen“ soll. Davor sei der Darm noch nicht reif genug, um feste Nahrung zu verdauen.
Frau Deutscher empfiehlt in ihrem Statement oben, Banane zu geben. An anderer Stelle rät sie davon ab, Bananen zu füttern, weil „die Qualität dieser Frucht […] doch sehr zweifelhaft [ist]. Außerdem enthalten Bananen so gut wie keine Vitamine und Mineralstoffe“ (S. 23). Zuallererst widerspricht sie sich selbst, aber letztendlich ist diese Aussage schlichtweg falsch, denn Bananen enthalten wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente. Im Buch ‚Kochen für Babys'(1) wird näher darauf eingegangen.  Die Autorin Frau Sammüller hat festgehalten, dass 100g Banane ca. 400 mg Kalium enthält, welches besonders für den Wasserhaushalt der Zellen wichtig ist oder auch für die Reizleitung der Nerven und Muskeln (S. 142). Ebenso enthalten Bananen Mangan, das u.a. beim Aufbau des Bindegewebes unterstützt (siehe S. 142). Zu guter Letzt ist Banane sättigend. 100g Banane enthalten 89kcal, fast doppelt so viel wie Äpfel, Birnen und Zitrusfrüchte (S. 35). So inhaltsleer und überflüssig kann eine Banane also gar nicht sein.
Nach diesem Mobbing der gelben Frucht stolperte ich über das Kapitel ‚Das Süße bei Fläschchen und Brei’… Wie jetzt, süßen??? Obwohl die Autorin der Ansicht ist, Breie „benötigen kaum noch ein zusätzliches Süßen“ (S. 17), listet sie fröhlich Süßungsmittel auf. Allen voran den guten, heilenden Honig. Zwar weist sie auf die Gefahr des Säuglingsbotulismus hin, allerdings wird die Tragweite nicht deutlich genug herausgearbeitet. Der aktuelle Wissensstand ist, dass Kinder bis zum ersten Geburtstag überhaupt keinen Honig bekommen sollen, weil ihr Immunsystem mit den enthaltenen Sporen etc. noch nicht klar kommt. Ich finde es nicht nur unverantwortlich, dass in unserer Zeit, in der es bereits viele übergewichtige Kinder gibt, Süßungsmittel propagiert werden, sondern auch, dass die Gefahren von Honig nicht ausreichend dargelegt werden, bzw. ganz von Honig für Babies abgesehen wird. Die übrigen Süßungsmittel sind, bis auf die Tatsache, dass sie überflüssig sind, als harmlos zu bezeichnen. Letztendlich wird Frau Deutscher die Süßungsmittel nur angegeben haben, damit sie in ihrem Naturwarenladen konsumiert werden. Dieser Verdacht kommt auf, da sich auf Seite 2 der Hinweis befindet, dass man alle Zutaten „bei Rapunzel Naturwaren in Ludwigsburg“ findet.
Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits ist die Empfehlung von Sojaprodukten für Babies. Die Autorin erklärt auf Seite 19 und 20 richtig, dass Kuhmilch verdünnt werden sollte (zu hohe Konzentration an Eiweiß und Salz, kann die Nieren des Babys schädigen) und nennt Alternativen dazu. Leider listet sie an erster Stelle der Milchersatzgetränke Sojamilch auf (vgl. S. 20), denn diese enthalte „fast alle Eiweiße der Milch auf pflanzlicher Basis“ (S. 23). Soja gilt in unserer Gesellschaft als gesund und wird mittlerweile gerne als Milchersatz getrunken. Laut aktuellem Wissensstand wird Soja aber mittlerweile kritisch betrachtet. In einem Artikel auf der Internetseite der Süddeutschen Zeitung beleuchtet Kathrin Burger den ‚Riskanten Kult um die Bohne‚.  Mittlerweile gebe es „immer mehr Zweifel, ob die Pflanze wirklich ungefährlich ist“ und im Artikel wird auch auf die schlimmen Folgen für Babies eingegangen. In Tierversuchen wurde herausgefunden, dass das in Soja enthaltene Pflanzenhormon, bzw. die Isoflavone bei Neugeborenen krebsfördernd wirkt. Weiter führt es „zu Fruchtbarkeitsstörungen und beeinträchtigt außerdem die Schilddrüsenfunktion“. Ältere Studien zeigten schon, „dass Kinder mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse in den ersten Lebensmonaten häufiger Soja-Nahrung bekommen hatten“. Das Argument, Soja schütze vor Allergien ist auch nicht haltbar, denn Soja gilt mittlerweile als hoch allergen. Soja hat somit der Kuhmilch gegenüber absolut keinen Vorteil und „eine Kuhmilcheiweißallergie, die zwei bis fünf Prozent der Säuglinge betrifft, sei […] kein Grund, auf Sojamilch umzusteigen“. Bessere Alternativen nennt Frau Deutscher auch selber: Reis-, Hafer- oder Mandelmilch (vgl. S. 20). Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) rät im oben genannten Online-Artikel „Sojanahrung nur bei Babys einzusetzen, die unter angeborener Milchzuckerunverträglichkeit oder Galaktosämie leiden. Beide Stoffwechselstörungen kommen sehr selten vor“. Im Endeffekt also auch hier eine Empfehlung von Frau Deutscher, die möglicherweise weitreichende, schlimme Folgen haben kann.
Zu den bisherigen Kritikpunkten kommen noch mehr: In ihren Rezepten für besondere Breie stecken Gewürze, namentlich Zimt, Ingwer und Cardamom (vgl. S. 29 – 32). Hierzu hätte ich mir (wie bei den meisten Breirezepten davor) eine Altersempfehlung gewünscht, denn Gewürze sind nichts für kleine Babies! Die Empfehlung meines Kinderarztes lautet: Keine Gewürze bis zum ersten Geburtstag! Frau Sammüller, die Autorin des Buches ‚Kochen für Babys‘, empfiehlt milde Gewürze und frische Kräuter langsam ab dem elften Lebensmonat einzuführen (vgl. S. 25). Scharfe, bzw. pikante Gewürze vertragen Babies schlecht, sie greifen den Magen und Darm an. Frau Deutscher empfiehlt aber nicht nur Gewürze, sondern auch rohe Eier (Eigelb) in diesen Rezepten (vgl. S. 29-30). Die Eigelbe werden in den Rezepten zum Schluss lediglich untergerührt. Von dieser Praxis ist allerdings abzuraten, besonders bei Babies und Kleinkindern. Rohe Eier haben ein extrem hohes Risiko, mit Salmonellen belastet zu sein, ebenso Rohmilch. Salmonellen können bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Erkrankungen auslösen.

„Das Breibuch“ von Sabine Deutscher ist, besonders nach kritischer Lektüre, in dieser Ausgabe keineswegs empfehlenswert!!!

Anmerkungen:
(1) Dieses Buch werde ich später auch noch mal vorstellen. Vorweg kann ich sagen, dass es empfehlenswert ist und für 5€ ein richtiges Schnäppchen!

Quellen:
Sabine Deutscher: Das Breibuch. Rezeptbuch für biologische Kindernahrung von Sabine Deutscher. Rapunzel Verlag Sabine Deutscher. Ludwigsburg, 2008. 10. überarbeite Neuauflage.
Sonja Sammüller: Kochen für Babys. Gesundes Essen einfach selbst zubereiten.Edition XXL GmbH. Fränkisch-Crumbach, 2014.

HanseMama

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