Als Mutter allein gelassen – Kinderbetreuung

Gerade habe ich bei add2fam einen Beitrag zum Thema Kinderbetreuung gelesen, der mich an unser eigenes kleines Desaster erinnert hat…
Informiert habe ich mich, da war der Frechdachs gerade zwei Monate alt… Die Anmeldezeit lag direkt nach seiner Geburt, damals war ich aber a) sehr mit unserer neuen Situation beschäftigt und b) zuversichtlich, dass alles klappen wird…schließlich haben wir Eltern ja einen RECHTSANSPRUCH auf einen Betreuungsplatz… Heute kann ich über meine Naivität nur lachen… Aber der Reihe nach…

Als der Frechdachs zwei Monate alt war, habe ich mich das erste Mal wirklich mit dem Thema Kinderbetreuung auseinander gesetzt. Ich habe telefoniert und Informationen gesammelt. Das war Anfang März 2015. Krippe, Elternverein, Tagesmutter, das waren die Möglichkeiten. Der Frechdachs ist ein sehr anhängliches Kind, aus diesem Grund habe ich dann den Entschluss gefasst, ihn zu einer Tagesmutter zu geben. Hier in Bremen ist PiB für die Vermittlung zu einer Tagesmutter zuständig. Also zur Info-Veranstaltung im Juni und alle Formulare ausfüllen. Kontakt mit der zuständigen Sachbearbeiterin, die mir Tagesmütter mit freien Plätzen nannte. Bei den Telefonaten hörte ich dann ein Wort, welches mich noch eine ganze Zeit begleiten und in den Wahnsinn treiben sollte: „Mittendrin-Kind“. Der Frechdachs ist mitten im Kindergartenjahr geboren, deshalb ist er ein Mittendrin-Kind. Man könnte auch sagen „arme Sau“… Alle Tagesmütter erzählten ziemlich das gleiche: AKTUELL hätten sie einen Platz frei, ob das aber auch zu dem Zeitpunkt so sei, könnten sie nicht sagen. Da sollte ich dann nochmal anrufen…wenn ich GLÜCK hätte, sei dann ein Platz frei. Glück? Es gibt doch einen Rechtsanspruch, oder wie war das? Auf der Internetseite des BMFSFJ steht: „seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz“. Also doch!!! Somit versuchte ich mein Glück weiter. Nachdem ich ALLE Tagesmütter im Stadtteil durchtelefoniert und NICHTS erreicht hatte, sprach ich nochmals mit der Dame von PiB. Jaaaaaaa, mit einem Mittendrin-Kind sei das nicht so einfach, aber sie sei zuversichtlich, dass ein Betreuungsplatz gefunden werde. Ich, in meinem grenzenlosen Optimismus, war ebenfalls zuversichtlich. Was blieb mir auch anderes übrig? Mein Arbeitsvertrag war bereits ausgelaufen und ich mit dem ersten Geburtstag des Frechdachses würde auch das Elterngeld wegfallen. Ich muss arbeiten und der Kleine muss in Betreuung, da führt kein Weg dran vorbei. Die Dame von PiB sagte, vielleicht sollte ich es eher zwei Monate vorher versuchen. Immer noch zuversichtlich stimmte ich zu und schrieb mir das als Termin in den Kalender.

Zwei Monate bevor der Frechdachs ein Jahr alt geworden ist, telefonierte ich mir die Finger wund mit dem Ergebnis, dass mir auch jetzt niemand eine Zusage geben konnte und wollte. Meine Zuversicht wich der Panik, bald ohne Geld und ohne Betreuungsplatz dazustehen. Ich klapperte alle in Frage kommenden Krippen und Elternvereine ab, nur um auch hier zu hören, dass man mir keinen Platz zusagen könne. Ich solle es kurz vorher nochmal versuchen. Ich fand mich heulend und völlig verzweifelt auf einer Parkbank wieder. Ich hatte genug von diesem ganzen Mist und das Wort Mittendrin-Kind wollte ich auch nicht mehr hören.

Letztendlich habe ich doch wirklich noch kurzfristig einen Platz bei einer Tagesmutter bekommen. Glücklicherweise zog eines der Kinder weg, so dass der Frechdachs den Platz haben konnte. Noch viel mehr Glück haben wir, dass die Chemie zwischen uns und der Tagesmutter stimmt, denn viel Auswahl hatten wir nicht.

Um nochmal kurz zum Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu kommen… Ja, man hat einen Rechtsanspruch, aber nicht auf den Wunschplatz in direkter Wohnortnähe, sondern auf einen Platz im Stadtgebiet. Sobald man sich auf eine Warteliste schreiben lässt, erlischt der Anspruch und man muss warten, bis man den Platz bekommt…das kann u.U. aber dauern, denn Geschwisterkinder beispielsweise haben Vorrang. Wenn einem vom Amt für soziale Dienste ein Platz vorgeschlagen wird und man den ablehnt…erraten, Rechtsanspruch verwirkt. Das ist nicht mal mehr lachhaft, sondern schon totale Verarsche!!!

Generell
1) wenn das Kind nicht kurz vor Beginn des Kindergartenjahres geboren wurde am besten Elternzeit für zwei Jahre einreichen. Dann klappt es immer mit dem Betreuungsplatz. Früher wieder in den Job einsteigen ist möglich
2) die Anmeldezeiten für das neue Kindergartenjahr sind immer im Januar des gleichen Jahres. Das ist die einzige Zeit, zu der man im Voraus eine feste Zusage bekommt.
3) Genau überlegen, bevor man sich auf eine Warteliste eintragen lässt!
4) wer außerhalb des Kindergartenjahres einen Betreuungsplatz braucht, muss nehmen, was gerade da ist oder hat Pech gehabt.
5) ein Rechtsanspruch ist in aktueller Form eine totale Lachnummer.

Ich wünsche allen Eltern viel Erfolg bei der Suche nach einem Betreuungsplatz!!! Ich fühle mit euch!

Beste Grüße
HanseMama

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