Rassismus im Alltag 

Es ist merkwürdig, den Titel zu schreiben. Es fühlt sich beschämend an, zu sagen, dass man in seinem Alltag Rassismus erlebt und besonders schlimm ist es, zu sagen, dass der eigene Schwiegerdrachen (der sich für die Krone der Schöpfung hält, ich berichtete) das Thema aufgeworfen hat. Aufgeworfen bedeutet eigentlich eher, er ist der Stein des Anstoßes, derjenige, der den Rassismus in mein Leben gebracht hat. Ich finde das extrem traurig. 

Aber der Reihe nach… Dass es bei uns familiär gerne mal knirscht, habe ich bereits lang und breit geschrieben…mit meinem Schwiegervater ist es alles andere als einfach. Er mischt sich gerne ein und auch gestern musste er mal wieder seinen Senf dazugeben. Dabei gab er etwas von sich, da schlackerten meinem Mann und mir die Ohren. 

Der Frechdachs ist mit seinen 21 Monaten noch ziemlich ungeduldig und da es mit dem Essen nicht so funktionierte, wie er sich das vorstellte (über Kopf bleibt die blöde Wurst nicht auf dem Brot…), tobte er los. Der Drachen sagte dann: 

Ganz ruhig! Wir sind doch keine Schwarzen. Die machen alles aus dem Bauch heraus, deswegen reden die auch so laut. Wir Europäer machen das mit dem Kopf, wir denken nach.

Dem Mann und mir ist die Kinnlade herunter gefallen. Das ist Rassismus vom Feinsten. Geht gar nicht! 

Heute hatte ich die Chance, ihn darauf anzusprechen. Ich habe ihn gebeten, im Beisein meines Kindes solche rassistischen Sprüche nicht mehr zu sagen. Ich finde, das ist mein gutes Recht als Mutter! Man stelle sich bitte vor, dass der Frechdachs diese Dinge irgendwo ausspricht… Da gibt’s dann ordentlich „aufs Maul“… Bremen hat ja nun auch eine große Anzahl an Menschen mit Migrationshintergrund. (Ich frage mich gerade, ob „Ausländer“ politisch korrekt ist…)  und da ist es denkbar und gut möglich, dass er sich mit solchen Sprüchen welche fängt… Ganz davon abgesehen, dass wir versuchen, den Frechdachs zu einem aufgeschlossen Menschen zu erziehen…

Aber kurz zurück zum Drachen. Dieser sagte mir, sein Spruch sei überhaupt nicht rassistisch. Das sei „allgemeines Kulturwissen“.  Ich entgegnete, dass das Blödsinn sei. Das sei (und ist) nichts anderes als Rassismus. Der Drachen wollte nichts davon hören. Meine Bitte, sowas im Beisein des Frechdachses nicht zu sagen, stieß auf Widerstand. Er ließe sich von mir gar nichts verbieten. Wenn ich das nicht wolle, dann müsse ich den Frechdachs in Watte packen. Wenn mir bis dahin schon das Blut gekocht hat, dann spritzte und brodelte es spätestens jetzt. Mein Adrenalinspiegel war auf einem Höchststand. 

Diese Situation hat bei mir Ärger, Wut, Unverständnis und ganz viel Fassungslosigkeit ausgelöst. Ich kann nicht verstehen, dass jemand, der sich selbst für so schlau und sozial hält und der nur ein Jahrzehnt nach Ende des zweiten Weltkriegs geboren ist, solche Dinge von sich geben kann. 

Es ist traurig und sehr beschämend, so jemanden in der Familie zu haben. 

Der Umgang mit dem Frechdachs ist erstmal untersagt. Einzig logische Konsequenz. 

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